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Deutschland feiert Ostern mit einem faszinierenden Mix aus uralten heidnischen Ritualen und christlichen Traditionen. Einer der spektakulärsten Bräuche ist der Osterräderlauf in Lügde in Nordrhein-Westfalen, bei dem am Ostersonntagabend sechs massive Eichenräder – jeder bis zu 280 kg schwer und mit Stroh gefüllt – in Brand gesetzt und einen Hügel hinuntergerollt werden. Diese von der UNESCO anerkannte Tradition, die erstmals 784 n. Chr. von Karl dem Großen dokumentiert wurde, symbolisiert die Rückkehr der Sonne und soll die kommende Ernte vorhersagen. Tausende Besucher strömen jährlich herbei, um den Anblick der feurigen Räder zu erleben, die den Osterberg hinabstürzen, gefolgt von einem Feuerwerk.
Ein weiterer weitverbreiteter Brauch ist das Osterfeuer, das in Norddeutschland am Karsamstag oder Ostersonntag entzündet wird. Ursprünglich dienten diese Feuer dazu, Wintergeister zu vertreiben und den Frühling willkommen zu heißen, später erhielten sie christliche Bedeutung als Symbol für die Auferstehung Christi und das „Licht der Welt“. Gemeinden versammeln sich um lodernde Holzstöße zu geselligen Abenden mit Essen, Getränken und Grillwaren – ein Ausdruck der Gemeinschaft nach dem langen Winter.
Zusätzlich pflegen die Deutschen reizvolle häusliche Traditionen wie den Ostereierbaum, bei dem austreibende Zweige mit handbemalten Eiern geschmückt werden, und den Gründonnerstag, an dem grüne Speisen wie Spinat und Kräuter den Frühlingsneubeginn symbolisieren. Vom Osterhasen, der Kindern Süßigkeiten bringt, bis hin zu regionalen Spezialitäten wie dem Osterzopf – diese Bräuche spiegeln Deutschlands reiches kulturelles Erbe und Gemeinschaftsgefühl in der Frühlingszeit wider.